Warschau für Geschichtsliebhaber: Das Intensiv-Programm
4 days

Warschau für Geschichtsliebhaber: Das Intensiv-Programm

Warschau als Geschichtsziel

Keine europäische Hauptstadt wurde so gründlich zerstört und so bewusst wiederaufgebaut wie Warschau. Warschaus Geschichte zu verstehen ist für den Reisenden hier kein Nebeninteresse – es ist der unverzichtbare Rahmen zum Begreifen, was die Stadt ist und warum sie so aussieht, wie sie aussieht.

Dieses Programm ist für Menschen konzipiert, die in die Tiefe gehen wollen. Es ist emotional fordernd. Das Museum des Warschauer Aufstands, das POLIN-Museum, Treblinka, die Wola-Massaker-Stätten und die ehemalige Ghetto-Landschaft sind keine leichten Erfahrungen. Sie erfordern Zeit, Stille und etwas Vorbereitung. Dieser Plan berücksichtigt diese Zeit.

Vier Tage. Vier verschiedene historische Fäden: die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt (Tag 1), der Warschauer Aufstand (Tag 2), das jüdische Warschau und der Holocaust (Tag 3) und Treblinka als Tagesausflug (Tag 4). Jeder Tag endet mit einem Abend, der bewusst nicht historisch ist – Warschaus Restaurants, Parks und das Flussufer ermöglichen das Durchatmen.

Ein Hinweis zum emotionalen Tempo: Erfahrene Gedenkstättenreisende sagen oft, der größte Fehler sei, zu viel Geschichte an einem Tag zu sehen. Dieser Plan trennt den Aufstand und die jüdische Geschichte bewusst auf separate Tage. Nicht zusammenpressen.

Tag 1: Warschaus Zerstörung und Wiederaufbau

Vormittag: Den Wiederaufbau verstehen (9:00–13:00)

9:00 — Altstadt: die wiederaufgebaute Stadt

Nicht als Tourist, sondern als Leser der Geschichte beginnen. Um 9:00 Uhr auf den Altstädtischen Marktplatz (Rynek Starego Miasta) gehen und in seinem Zentrum stehen. Alles, was man sieht, war im Januar 1945 Trümmer. Die Fassaden wurden zwischen 1945 und 1953 nach Veduten-Gemälden aus dem 18. Jahrhundert von Bernardo Bellotto (Canaletto dem Jüngeren) als Bauplan und ergänzt durch Erinnerungen von Überlebenden und Vorkriegsfotos wiederaufgebaut. Die UNESCO hat den Wiederaufbau selbst eingetragen – nicht eine mittelalterliche Stadt, sondern ein Zeugnis kollektiven Willens.

Zum Historischen Museum Warschau (Muzeum Historii Warszawy), Rynek Starego Miasta 28–42 gehen. Eintritt: 25 PLN. Dieses Museum bietet die beste visuelle Dokumentation von Warschaus Zerstörung – Vorher-Nachher-Fotografien, der Wiederaufbauprozess und die außerordentliche Geschichte des zivilen Neuaufbaus. Der Film, der das Vorkriegs-Warschau zeigt (im Kellerkinosaal, Zeiten prüfen), ist tief bewegend.

10:00 — Königsschloss: Zerstörung und Restaurierung

Das Königsschloss (Zamek Królewski) wurde im September 1939 von den Nationalsozialisten systematisch geplündert und im Dezember 1944 nach dem Aufstand gesprengt. Was heute steht, wurde zwischen 1971 und 1984 mit Hilfe von Originalsteinfragmenten, geborgenen Kunstwerken und Dokumentation wiederaufgebaut. Eintritt: 50 PLN. Die Ausstellung im Keller beleuchtet ausführlich das Kriegsschicksal des Schlosses. Die Gemälde im Canaletto-Saal – die überlebten, weil sie versteckt und evakuiert worden waren – sind der Raum, der den Rest Warschaus rettete.

12:00 — Schlossplatz bis Wola: das Ausmaß der Zerstörung

Mit dem Bus fahren oder zu Fuß westwärts zum Stadtviertel Wola gehen. Wola war 1944 Warschaus Industrieviertel und der Mittelpunkt des schlimmsten Verbrechens während des Aufstands: das Wola-Massaker. Am 5. und 6. August 1944 töteten SS- und Wehrmacht-Einheiten innerhalb von 48 Stunden zwischen 40.000 und 50.000 Zivilisten – die größte Massenerschießung von Zivilisten durch die Nationalsozialisten im gesamten Krieg, mit dem Ziel, Warschaus Willen vor jedem militärischen Feldzug zu brechen.

Zum Mahnmal für die Opfer des Wola-Massakers (Pomnik Pamięci Ofiar Rzezi Woli), ul. Leszno an der Kreuzung Elekcyjna gehen – ein stilles Mahnmal, das die meisten Besucher nicht kennen. Weniges in Warschau ist so eindringlich.

Nachmittag: Kulturpalast und Stadtrekonstruktion (13:00–18:00)

13:00 — Mittagessen in Wola / Śródmieście

  • Hala Mirowska (al. Jana Pawła II 15): Historische überdachte Markthalle. Imbissstände, Pierogi-Verkäufer, lokale Atmosphäre. 30–50 PLN für ein vollständiges Essen.
  • Przekąski Zakąski (ul. Długa 20): Traditionelle polnische Bar, Milchbar-Stil. 25–40 PLN.

14:30 — Kulturpalast und Wissenschaftspalast

Der Kulturpalast und Wissenschaftspalast (Pałac Kultury i Nauki) ist politische Geschichte ebenso sehr wie Architektur. Stalins „Geschenk” (1952–1955) war der umstrittenste architektonische Akt im Nachkriegspolen – eine bewusste Aussage sowjetischer Dominanz über eine wiederaufgebaute Hauptstadt. Warschau hatte keine Wahl, es anzunehmen.

Die Aussichtsplattform (30 PLN, 30. Etage) bietet den besten Panoramablick auf Warschaus Stadtlandschaft – dort, wo die wiederaufgebauten Vorkriegsviertel auf die kommunistischen Wohnblöcke (Bloki) und die neuen kapitalistischen Hochhäuser des 21. Jahrhunderts treffen. Drei verschiedene Schichten von Warschaus Geschichte auf einmal sichtbar.

Den Pałac zu ebener Erde umrunden. Die sozialistisch-realistischen Skulpturen auf den vier Ecktürmen anschauen – Arbeiter, Wissenschaftler, Soldaten, Bauern – und die Inschriften, die auf Polnisch noch lesbar sind. Das Erdgeschoss des Gebäudes enthält die originalen öffentlichen Räume der 1950er Jahre (Kino, Theaterfoyers, Korridore), weitgehend unverändert.

16:00 — Sächsischer Garten und Vorkriegs-Warschau

Zum Sächsischen Garten (Ogród Saski) gehen – Warschaus ältester öffentlicher Garten (1727), einer der wenigen wirklich vorkriegszeitlichen Räume im Stadtzentrum. Das Grab des Unbekannten Soldaten (Grób Nieznanego Żołnierza) steht in der Gartenkolonnade – das einzige erhaltene Fragment des 1944 zerstörten Sächsischen Palastes. Die Wachablösung findet täglich um 12:00 Uhr und sonntags um 12:00 Uhr mit zusätzlichen Ehren statt. Das Grab erinnert an Polen, die in allen Kriegen Polens seit 1918 gefallen sind.

18:00 — Abends: Königlicher Weg und Abendessen

Der Königliche Weg in der Dämmerung ist besonders atmosphärisch – die Straßenlaternen gehen entlang der Krakowskie Przedmieście an und die Kirchen werden beleuchtet. Abendessen:

  • Tamka 43 (ul. Tamka 43): Eines von Warschaus feinsten modernen polnischen Restaurants, Hauptgerichte 80–130 PLN. Im Voraus buchen.
  • Restauracja pod Samsonem (ul. Freta 3): Ein historisches Restaurant im jüdischen Stil in der Neustadt, Überlebender der Verlegung des Warschauer Ghettos. Traditionelle polnische und jüdische Küche, Hauptgerichte 45–70 PLN.

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Tag 2: Der Warschauer Aufstand – 63 Tage Widerstand

Ganztägig – fokussiert auf den Aufstand von 1944

9:00 — Museum des Warschauer Aufstands (Muzeum Powstania Warszawskiego)

Dieser Tag gehört fast vollständig dem Museum des Warschauer Aufstands, ul. Grzybowska 79. Mit der U-Bahn M2 bis Rondo ONZ fahren und 12 Minuten westwärts laufen. Eintritt: 30 PLN. Donnerstags kostenlos.

Mindestens 4 Stunden einplanen. Das Museum wurde 2004, 60 Jahre nach dem Aufstand, eröffnet und gilt als eines der besten Zweiter-Weltkrieg-Museen Europas. Der 63-tägige Aufstand (1. August–2. Oktober 1944) war die größte Einzelwiderstandsoperation im besetzten Europa: 40.000–50.000 Aufständische gegen 25.000 deutsche Soldaten, mit geschätzten 150.000–200.000 zivilen Todesopfern.

Schwerpunkte, die zu priorisieren sind:

  • Erdgeschoss: Die B-24-Liberator-Nachbildung, der Fallschirmabwurfbereich (die alliierte Unterstützung war minimal – die Sowjets weigerten sich bis Ende September, RAF-Flugzeugen die Landung auf sowjetisch gehaltenen Flugstreifen östlich von Warschau zu erlauben).
  • Ebene 1 – Wola: Das Wola-Massaker, der Beginn des zivilen Terrorfeldzugs.
  • Ebene 1 – Kanalnetz: Der Nachbau-Kanalgang ist körperlich beengt – man geht gebückt hindurch. So bewegten sich die Aufständischen zwischen den Stadtteilen.
  • Ebene 2 – Kapitulation: Die Übergabebedingungen vom 2. Oktober, die Nachfolge (200.000+ Überlebende aus Warschau vertrieben, die systematische Zerstörung der verbleibenden Stadt durch die Nationalsozialisten).
  • Filmraum (Keller): Der 3-minütige Archivfilm, der das Vorkriegs-Warschau zeigt – freudig, weltstädtisch, normal – ist das Schwerste im Museum zu sehen, weil man weiß, was danach kommt.
  • Dachterrasse: Der „Parasol”-Turm, geformt wie eine Kriegsfackel. Blick nach Norden über Wola – der Stadtteil, der das Schlimmste des Massakers erlitt.

13:30 — Mittagspause (Museumscafé oder in der Nähe)

Das Museum hat ein kleines Café. Alternativ 8 Minuten zum Bar Mirosław (ul. Wolska 56) laufen – eine lokale Milchbar im Wola-Arbeiterviertel, atmosphärisch unverändert.

15:00 — Wanderroute: Aufstandsstätten

Den Nachmittag auf der Rundwanderung durch die Warschauer Aufstandsstätten verbringen. Wichtige Haltepunkte:

  • Aufständigenkreuz (Krzyż Powstańców), Plac Krasińskich: Das Hauptgedenkkreuz außerhalb des Aufstandsmuseumsgeländes.
  • Kotwica-Symbol: Nach dem Anker-Graffiti (dem Symbol des polnischen Untergrundstaates) Ausschau halten, das während und nach dem Krieg an Wänden angebracht wurde – einige sind an verschiedenen Stadtorten erhalten.
  • Chłodna-Straße-Denkmal: Der Standort der Ghetto-Fußbrücke, wo das jüdische Ghetto und die arische Seite durch eine hölzerne Brücke über die Straße verbunden waren.
  • ul. Próżna: Die einzige erhaltene vorkriegszeitliche jüdische Geschäftsstraße in Warschau – fünf Mietshäuser, leicht baufällig, bewusst erhalten.

17:30 — Kostenloses Chopin-Konzert (wenn Sonntag im Sommer) oder Abendreflexion

Wenn es ein Sonntag zwischen dem 5. Juli und dem 27. September ist, findet um 16:00 Uhr ein kostenloses Chopin-Klavierkonzert am Chopin-Denkmal im Łazienki-Park statt – 20 Minuten zu Fuß nach Süden. Der Kontrast zwischen der Musik und dem Tagesinhalt ist bewusst gewählt. Chopin komponierte seine melancholischsten Nocturnes im Pariser Exil, unfähig, ins sich bereits verändernde Warschau zurückzukehren. Die Musik und die Geschichte stehen in einem Einklang.

19:30 — Abendessen

Einfach und erholsam nach einem schweren Tag:

  • Brasserie Warszawska (ul. Śniadeckich 1): Polnische Klassiker gut zubereitet, ruhige Atmosphäre. Hauptgerichte 55–80 PLN.

Tag 3: Jüdisches Warschau – eine tausendjährige Geschichte

Ganztägig im ehemaligen Ghetto und im POLIN

9:00 — Jüdischer Friedhof (Cmentarz Żydowski)

Beginn auf dem Jüdischen Friedhof (ul. Okopowa 49/51), einem der größten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Europas mit schätzungsweise 250.000 Gräbern aus vier Jahrhunderten. Eintritt: 15 PLN. Geöffnet Montag–Donnerstag und Sonntag 10:00–17:00 Uhr; Freitag 9:00–13:00 Uhr; samstags geschlossen.

Der Friedhof bewegt auf eine andere Weise als die Gedenkstätten – er zeigt das jüdische Warschau auf dem Höhepunkt seiner Lebendigkeit, in der Blütezeit des 19. Jahrhunderts der florierenden aschkenasischen Gemeinschaft. Bemerkenswerte Gräber: Szmul Zbytkower (Kaufmannsprinz des 18. Jahrhunderts), Bolesław Prus (polnischer Romanschriftsteller, hier begraben, obwohl kein Jude – der Friedhofsausschuss machte Ausnahmen), Ludwik Zamenhof (Erfinder des Esperanto) und ein Abschnitt für Bundistenführer, die Warschaus vorkriegszeitliche jüdische Gewerkschaftsbewegung anführten.

10:30 — Umschlagplatz-Denkmal

15 Minuten ostwärts zum Umschlagplatz (ul. Stawki 5/7) gehen – der ehemalige Bahnverladeort, von dem jüdische Bewohner des Warschauer Ghettos nach Treblinka deportiert wurden. Zwischen Juli und September 1942 wurden schätzungsweise 265.000–300.000 Menschen hier verladen und in den Tod transportiert. Das Denkmal (1988) ist ein weißes Steingebäude mit offenem Dach, mit den Namen der Deportierten auf den Innenwänden. Einer von Warschaus stillsten und wichtigsten Orten.

11:00 — Denkmal der Ghetto-Helden und Muranów-Spaziergang

10 Minuten südwärts zum Denkmal der Ghetto-Helden (Pomnik Bohaterów Getta), ul. Zamenhofa gehen. Dieses Denkmal von 1948 – das erste Holocaust-Denkmal, das irgendwo in Europa errichtet wurde – steht auf den Trümmern der Ghettomauer. Das umliegende Viertel (Muranów) wurde in den 1950er Jahren auf 4–5 Metern Kriegstrümmern wiederaufgebaut. Die Wohnhäuser stehen buchstäblich auf dem zerstörten Ghetto.

Den Erinnerungsweg (Trakt Pamięci Anielewicza) folgen – 16 Granitsteine entlang der ul. Anielewicza, die wichtige Ghettostätten markieren und beim POLIN-Museum enden.

Weitere Details auf der Warschauer Ghetto-Wanderroute.

12:30 — Mittagessen bei POLIN

  • Hamsa Restaurant (ul. Próżna 12): Israelisch-polnische Fusion, ausgezeichneter Hummus und Mezze. Hauptgerichte 40–65 PLN. Das beste jüdisch geprägte Restaurant in Warschau.
  • Mleczarnia Nowa (ul. Nowolipki 5): Einfache polnisch-jüdische Kantine, günstig und angemessen ruhig.

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13:30 — POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden (3+ Stunden)

Das POLIN-Museum (ul. Anielewicza 6) ist das Kernstück von Warschaus jüdischer Erinnerungslandschaft. Eintritt: 35 PLN; donnerstags kostenlos.

3 Stunden einplanen. Die Dauerausstellung des Museums umfasst 1.000 Jahre in acht Galerien:

  1. Anfänge im Wald (mittelalterliche Legende von Polens jüdischer Gründung)
  2. Die erste Begegnung (mittelalterliche Juden in Polen)
  3. Paradisus Iudaeorum (das „jüdische Paradies” – Toleranz im 16. Jahrhundert)
  4. In die Stadt (Marktflecken des 18. Jahrhunderts, Schtetlech)
  5. Begegnungen mit der Moderne (Haskalah/Aufklärung des 19. Jahrhunderts)
  6. Auf der Jüdischen Gasse (lebendiges Vorkriegs-Warschau – die größte jüdische Gemeinde in Europa außerhalb New Yorks)
  7. Der Holocaust
  8. Die Nachkriegsjahre (die Überlebenden, Kommunismus, Emigration, Pogrom 1968, Solidarność und heute)

Galerie 6 („Auf der Jüdischen Gasse”) ist besonders eindringlich – die Rekonstruktion der jüdischen Handelskultur des Vorkriegs-Warschaus ist so lebendig, dass der Übergang zu Galerie 7 körperlich desorientierend ist.

17:30 — ul. Próżna: die letzte Vorkriegsstraße

15 Minuten südwärts zur ul. Próżna gehen – fünf erhaltene Vorkriegsmietshäuser in einer kurzen Straße, die einst das Herz des jüdischen Handelswarschaus war. Sie sind teilweise restauriert und teilweise bewusst in ihrem ruinösen Zustand belassen. Die Straße wurde als Filmkulisse für mehrere Produktionen verwendet, die das Vorkriegs-Warschau der Juden darstellen. In beiden Richtungen langsam durchgehen.

19:00 — Abendessen

  • Dom Polski (ul. Franciszkańska 1): Traditionelles Restaurant in einem erhaltenen Vorkriegsgebäude in der Nähe des Ghetto-Gebiets. Polnische Küche, Hauptgerichte 50–75 PLN.
  • Restauracja pod Samsonem (ul. Freta 3): Jüdisch angehauchte Küche in der Neustadt, warme Atmosphäre. Hauptgerichte 45–70 PLN.

Tag 4: Tagesausflug nach Treblinka

8:30 — Abfahrt von Warschau nach Treblinka

Eine organisierte Führung wird dringend empfohlen. Es gibt Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus nach Małkinia + lokale Verbindung), aber sie sind selten und erfordern jeweils 1,5–2 Stunden. Eine Führungsgruppe bricht typischerweise um 8:30–9:00 Uhr auf, erreicht Treblinka bis 10:30 Uhr, lässt 2 volle Stunden an der Gedenkstätte zu und kehrt bis 16:30–17:00 Uhr nach Warschau zurück.

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10:30 — Treblinka-Gedenkstätte

Treblinka ist kein Lager im Auschwitz-Sinne – keine Baracken, kein Krematorium, keine Gaskammergebäude haben überlebt. Die SS zerstörte alle Strukturen im November 1943 und pflügte das Gelände um. Was bleibt, ist eine symbolische Landschaft: 17.000 gezackte Granitsteine, die die vernichteten jüdischen Gemeinden Polens darstellen, mit den Namen von 700 Städten und Dörfern in ihre Flächen eingraviert. Der größte Stein steht in der Mitte – einfach beschriftet mit „Treblinka”.

In den frühen Betriebsmonaten (Juli–September 1942) übertraf Treblinkas Tötungsrate die von Auschwitz. Die Opferzahl wird auf 700.000–900.000 geschätzt, fast ausschließlich Juden.

Volle 2 Stunden an der Gedenkstätte einplanen. Der Ort ist meist fast still. Im Vergleich zu Auschwitz gibt es sehr wenige Besucher, was ein Teil dessen ist, was ihn so eindringlich macht.

13:00 — Rückfahrt

Bis 16:00–17:00 Uhr nach Warschau zurückkehren. Die meisten Besucher kommen emotional erschöpft an. Einen sehr ruhigen Abend planen:

  • Ein langer Spaziergang entlang der Weichsel-Boulevards.
  • Einfaches Abendessen zu Hause (bei Selbstversorgung) oder in einem ruhigen Restaurant.
  • Kieliszki na Próżnej (ul. Próżna 12) – die Weinbar ist ruhig und ungezwungen, und das Essen ist wirklich gut.

19:00 — Optionaler letzter Geschichtsstopp: Jüdisches Kulturzentrum und Abend

Das Tauba Centrum (jüdisches Gemeindezentrum) und die Beit-Warschau-Synagoge veranstalten gelegentlich Kulturveranstaltungen – Vorträge, Musik, Diskussionen. Den Kalender auf Abendprogramme prüfen, die einen nachdenklichen Abschluss eines Treblinka-Tages bieten könnten.

Praktische Hinweise für Geschichtsreisende

Vorbereitung: Vor dem Besuch Warschaus als Geschichtsziel lohnt sich die Lektüre. Empfehlungen: Hanna Kralls Shielding the Flame (Interview mit Marek Edelman, dem einzigen überlebenden Kommandeur des Ghetto-Aufstands); Timothy Snyders Bloodlands (der weitere Kontext des Massentötens in Osteuropa); oder Norman Davies’ Rising ‘44 (die maßgebliche englischsprachige Darstellung des Warschauer Aufstands).

Fotografieren: In Treblinka und auf dem Jüdischen Friedhof ist Fotografieren erlaubt, sollte aber besonnen erfolgen. Das POLIN-Museum verbietet Fotografieren in einigen Galerien.

Tempo: Treblinka sollte an Tag 4 stattfinden, nicht an Tag 2. Das Aufstandsmuseum ist das emotionale Fundament; POLIN liefert den breiteren jüdischen Kontext; Treblinka sollte nach beidem kommen.

Führungen: Eine ortskundige Führung bereichert das Erlebnis im Aufstandsmuseum und POLIN erheblich und ist in Treblinka unverzichtbar. Englischsprachige Führungstouren sind weit verbreitet.

Häufig gestellte Fragen zu diesem Warschauer Geschichtsprogramm

Wie emotional fordernd ist dieses Programm?

Sehr. Dies ist kein lockeres Touristenprogramm – es ist für Menschen konzipiert, die sich ernsthaft mit einem der traumatischsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen wollen. Ruhige Abende einplanen und nicht versuchen, zusätzliche Sehenswürdigkeiten obendrauf zu packen. Wer sich nach Tag 2 erschöpft fühlt, Treblinka weiter hinausschieben oder es durch einen erholsamen Tag im Łazienki-Park ersetzen.

Ist das Museum des Warschauer Aufstands das wichtigste Museum in Warschau für Geschichtsreisende?

Für polnische Militär- und Zivilgeschichte des 20. Jahrhunderts: ja. Für jüdische Geschichte ist POLIN gleichermaßen bedeutsam und deckt einen längeren Zeithorizont ab. Beide verdienen ausführliche Halbtagsbesuche. Der Führer zum Museum des Warschauer Aufstands und der POLIN-Museums-Führer enthalten detaillierte Informationen dazu, was in jedem zu priorisieren ist.

Wie sollte ich mich auf den Treblinka-Besuch vorbereiten?

Vor dem Besuch mindestens eine kurze Darstellung lesen, was Treblinka war und wie es funktionierte. Die Gedenkstätte bietet gute Informationen vor Ort, aber ohne Vorkenntnisse anzukommen lässt Besucher damit kämpfen, das Gesehene einzuordnen. Der Wikipedia-Artikel zum Vernichtungslager Treblinka ist ein nützlicher Ausgangspunkt; die Yad-Vashem-Website bietet tiefgehendes Material.

Was ist der Unterschied zwischen dem Warschauer Ghetto-Aufstand und dem Warschauer Aufstand?

Der Warschauer Ghetto-Aufstand (April–Mai 1943) war ein bewaffneter Widerstand jüdischer Kämpfer gegen die SS-Deportationsoperationen – der erste große städtische Aufstand gegen die Nationalsozialisten im besetzten Europa. Der Warschauer Aufstand (August–Oktober 1944) war eine stadtweite Revolte der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa), hauptsächlich ethnischer Polen, gegen die deutsche Besatzung. Es sind separate Ereignisse, getrennt durch 15 Monate. Beide werden in diesem Programm behandelt, jedoch in getrennten Museen und an separaten Tagen.

Kann ich von Warschau aus sowohl Treblinka als auch Auschwitz besuchen?

Auschwitz lässt sich am besten von Krakau aus erreichen (70 km). Von Warschau aus ist Auschwitz ca. 350 km entfernt und macht mehr Sinn als Übernachtungsausflug oder als Teil eines kombinierten Warschau-Krakau-Programms. Treblinka ist deutlich näher (110 km) und als Tagesausflug von Warschau aus einfacher zu erreichen. Die meisten Geschichtsreisenden, die Warschau besuchen, entscheiden sich für eines von beidem, nicht für beide auf derselben Reise.

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